Herzlich Willkommen...


Gedanken zur Jahreslosung 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Brüder und Schwestern, von der Schriftstellerin Ricarda Huch stammt der Satz:

„In der Bibel stehen die alten Geschichten, die jeden Tag neu geschehen...“.

Dazu gehört auch die biblische Jahreslosung für 2020: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mark. 9, 24).

Ich will es nur gleich zu Beginn schreiben: Dieser Satz vom „ungläubigen Glauben...“ gehört für mich zu den ehrlichsten und zugleich tröstlichen Sätzen der Bibel. Denn was dieser Satz ausdrückt, das ist nicht neu, das gab‘s und gibt’s zu allen Zeiten. So kennt gerade die Bibel viele Beispiele für die Nachbarschaft von Glaube und Unglaube – z. B. eben unsere Jahreslosung für 2020. Sie ist ein verzweifelter Ruf, der Schrei eines Vaters, der sein krankes Kind zu Jesus bringt. Dieses Kind leidet an lebensgefährlicher Epilepsie. Der Vater bittet Jesus um Hilfe, ja er schreit geradezu diesen Satz heraus: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ Bei der Frage nach Glaube und Unglaube geht es nicht um eine interessante Diskussion, um den intellektuellen Austausch von Argumenten. Es geht um die Frage, worauf ich mich verlassen kann im Leben und im Sterben, wenn es ernst wird. Wo gibt es dann Hilfe und Halt in höchster Not? Mein erster Eindruck zu dieser Geschichte aus dem Markusevangelium, die vom Kampf des Vaters um sein Kind erzählt:
Dieser Vater resigniert nicht, er kämpft, er bleibt dran. Nicht irgendwo, nicht an irgendwem, sondern an Jesus. In der Geschichte, so mein zweiter Eindruck, wird deutlich: Der Vater kann nicht einfach seinen Unglauben durch seinen Glauben abschütteln, aber genauso wenig lässt er seinen Unglauben über seinen Glauben, über sein Vertrauen siegen. Ja - Glaube und Unglaube sind immer nah beieinander. „Glauben ist leben auf der Grenze; auf der Grenze zwischen Glaube und Unglaube...“ (Paul Tillich).
So werden wir, denke ich, alle bestimmt von Glaube und Unglaube, von Gewissheit und Zweifel, von Vertrauen und Furcht, von zuversichtlichem Hoffen wie mutloser Skepsis und Sorge. Da gibt es kein klares entweder/oder, sondern - so ist mein persönliches Erleben - immer „und...“, also beides: Glaube und Unglaube, Gewissheit und Zweifel, Vertrauen und Furcht, zuversichtliches Hoffen und mutlose Skepsis verbunden mit Sorge. Darum kann ich dem unserer Jahreslosung vorausgehenden Satz: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt...“ (V. 23) immer nur ganz leise hinzufügen:
„Hoffentlich...“.
Und wenn der Unglaube, wenn die Furcht, die Skepsis, die Sorge, der Zweifel die Gewissheit, den Glauben das Vertrauen und das zuversichtliche Hoffen vertreiben will, dann kann ich nur zum kürzesten Gebet, nämlich zu dem des Vaters aus unserer biblischen Geschichte greifen: „Hilf!“ Denn Glaube ist kein Besitz, den wir ein für allemal erworben haben und der uns dann gehört und von dem wir sagen könnten: Ich habe genug oder gar einen so großen starken Glauben für alle Zeiten... Glaube ist lebendig, nicht statisch, nicht stur und so wird er ständig... alltäglich angefochten, so wird er ständig...alltäglich geprüft. Ein Glaube, der Heil und Heilung schafft, ist keine von uns Menschen zu erbringende Leistung, auf die wir selbstgewiss pochen könnten, sondern muss immer und immer wieder erbeten werden; kurz und bündig so: „Hilf mir!“.

Und dann... dann muss uns der Glaube immer wieder neu geschenkt werden. Der Vater in der Geschichte vom epileptischen Jungen vertraut darauf. Er zeigt uns: Wir alle stehen mit unserem Glauben und mit unserem Unglauben in Gottes Hand. Im Hebräerbrief (12, 1b u. 2) lesen wir: „Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens...“. Für diesen Lauf brauchen wir viel Ausdauer, viel „Geduld und Spucke...“ und den langen Atem zuversichtlichen Hoffens. Denn es ist eben nicht die Art des Glaubens, seiner selbst gewiss zu sein. Stattdessen - und das habe ich immer wieder gelernt und werde es weiter zu lernen haben - ist es Gottes Geist, der unserer/meiner Schwachheit, unserem /meinem Unglauben aufhilft. (Röm. 8, 26f.). Und so bin ich wieder beim Vater des Jungen aus der biblischen Geschichte mit seiner Bitte: „Hilf mir!“ Und so wird bereits das Gebet zum praktizierten Glauben, zum praktizierten Gottvertrauen, denn im Gebet begegne ich Gott, vor allem dann, wenn ich nicht nur selber rede, sondern auch hören lerne. Ja - und vielleicht schenkt mir Gott dann das, was Dietrich Bonhoeffer für sich, zum Jahreswechsel 1942/43 aus dem Gefängnis heraus, als sein Glaubensbekenntnis, formuliert hat: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.“ Dazu gehört wohl vor allem auch, dass wir Gott Gelegenheit geben, an und in uns zu wirken.

Ein Letztes: Es gibt, nach meiner Überzeugung, nicht nur Fürbitte, sondern auch „Fürglauben“. Ich denke, viele von uns haben mit ihrem Glauben, ihrem Vertrauen, ihrem zuversichtlichen Hoffen bereits andere mit „durchziehen“ müssen und sicher sind viele von uns - ich kann‘s von mir jedenfalls so sagen - vom „Fürglauben“, also vom Glauben, vom Vertrauen und vom zuversichtlichen Hoffen anderer, durch schwierige Krisensituationen „durchgezogen“ worden - ganz im Sinne dessen, was Jesus im Lukasevangelium (22, 32) als Beispiel vorgibt: „Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dann umkehrst, so stärke deine Brüder [und Schwestern]“.

Mit diesen Gedanken zur Jahreslosung verabschiede ich mich von Ihnen. Herzlich danke ich, auch im Namen meiner Frau, für alle Gemeinschaft, für alles Miteinander in den zurückliegenden neuneinhalb Jahren meines Dienstes und dafür, dass Sie/Ihr mich ge- und vor allem auch ertragen haben/habt. Ich habe diese Jahre dankbar als eine erfüllte Zeit erlebt und erbitte für uns alle Gottes Geleit und Segen in dem so ehrlichen wie tröstlichen und vertrauensvollen Sinn der Jahreslosung.

In herzlicher Verbundenheit grüßt Sie/Euch Ihr/Euer


auf der Internetseite des Kirchenbezirkes Leisnig–Oschatz,
einem unverwechselbar schönen Stück Sachsen...,

das sich vom Berg Collm im Norden bis an den »großen Zeh…« des Erzgebirges im Süden, den Taurastein im Südwesten und den Rochlitzer Berg im Westen erstreckt.
Die Kirchtürme unserer zahlreichen, gut erhaltenen und gepflegten Kirchen grüßen die Gäste schon von weitem.

Sie stehen für unsere lebendigen Gemeinden, in denen sich Menschen aller Generationen engagieren und zuhause fühlen.
Sie erinnern uns an die Gegenwart Gottes auch in diesem Landstrich.
Sie erinnern uns an Jesus Christus - den guten Hirten.

Jesus Christus - er passt gut in unseren ländlich geprägten Kirchenbezirk, denn auf dem Land ist er zu Hause und seine Zuhörinnen und Zuhörer waren Bauern und Bauersfrauen, Fischer und Hirten. Und was der „gute Hirte“ von Gott zu sagen hat ist gewandet in dörfliche Begebenheiten, in Bilder aus der Landwirtschaft. Von Saat und Ernte, Werden und Vergehen, vom Frucht bringen, aber auch von Mangel und Not wusste Jesus zu erzählen. Und so gibt es auch heute abseits von den großen Städten verheißungsvolle Voraussetzungen, um von Jesus zu lernen und dem Reich Gottes auf die Spur zu kommen.

Lassen Sie sich also herzlich einladen in ein unverwechselbar schönes Stück Sachsen und in das fruchtbare Ackerfeld Gottes.

Superintendent Arnold Liebers

Ihr Arnold Liebers
(Superintendent)


„Die Freude am Herrn ist eure Stärke.“
Nehemia 8,10

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Brüder und Schwestern –
Gemeindeglieder,
ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter -
in den Kirchgemeinden und Kirchspielen Altmittweida, Claußnitz, Erlau, Frankenau, Königshain, Mittweida, Ottendorf, Ringethal, Rochlitzer Land, Seelitz, Seifersbach, Taura, Topfseifersdorf und Wiederau,

mit dem heutigen Tag (01. Juli 2019) gehören wir zusammen... herzlich willkommen im Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz.

Das Leben vor Ort in ihren Gemeinden wird mit allen seinen unverwechselbaren ortsbezogenen Aktivitäten weitergehen wie bisher und ich gehe davon aus, dass dabei das Bibelwort aus dem alttestamentlichen Buch Nehemia – s. o. – für das Leben in ihren Gemeinden bestimmendes Leitbild ist und bleibt.

In den nächsten Wochen und Monaten werden wir, wenn ich Sie in ihren Kirchgemeinden besuche, uns näher kennenlernen, darauf freue ich mich.

Wichtige Ansprechpartner und Daten in unserem Kirchenbezirk, wie E-Mail Adressen, Postanschriften, Telefon etc., finden Sie auf unserer Internetseite: www.kirchenbezirk-leisnig_oschatz.de.

Gern erinnere ich an den 12. Sonntag n. Trin., d. 08.09.19. Da wollen wir 14 Uhr in der St. Kunigundenkirche Rochlitz  einen gemeinsamen Kirchenbezirksgottesdienst feiern, dazu lade ich herzlich ein.

Ihnen allen, mit Ihren Familien und all den Menschen, die Ihnen wichtig sind, einen – klimatisch – erträglichen Sommer und gute Erholung im Urlaub.

In diesem Sinne seien Sie alle dem treuen Gott befohlen,
Ihr Arnold Liebers, Sup.