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Verantwortung – Tradition – Entfremdung: Zur Bedeutung von Kirche im ländlichen Raum. Eine ethnographische Studie in drei Dörfern im Gebiet des Regionalkirchenamtes Leipzig

Schon seit Jahrzehnten zeigt sich in den ländlichen Räumen ein Veränderungsprozess, der viele Bereiche des Lebens erfasst hat. Nicht allein die Kirchenmitgliedszahlen sind rückläufig, sondern es verändern sich auch die Strukturen der Kirchgemeinden und das Gemeindeleben.
Die sich hier abzeichnenden Probleme wurden durch die Kirchen erkannt und es sind erste Impulse zur Lösung gegeben worden. Vor allen Lösungsvorschlägen muss aber zunächst eine Analyse der Situation erfolgen und zwar möglichst so lokal wie möglich. Nur eine Erfassung dessen, was in einem Ort und einer Kirchgemeinde vorhanden und dessen, was dort gewünscht ist, schützt vor ziellosem Aktionismus und der Resignation
über Aktivitäten, die nicht den erwünschten Widerhall finden.

Eine solche Analyse bietet das hier zum Download bereit gestellte kleine Buch. In drei ausgewählten Dörfern der Ephorien Leisnig-Oschatz und Leipziger Land fanden Interviews, Befragungen und Gespräche statt. Dabei ging es zum einen um die Wahrnehmung der Kirche vor Ort sowie von „Kirche” (im breiten Bedeutungsspektrum, das dieser Begriff eröffnet) überhaupt, zum anderen sind Erwartungen, die die Menschen an ihre/ die Kirche haben, erfasst worden.

 

Rotstift zwingt zu mehr Miteinander (2013)

Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz sucht nach regionalen Zusammenschlüssen

Die Gemeinden im Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz werden künftig noch enger zusammenarbeiten müssen. Was für die meisten Kirchgemeinden auf dem Gebiet der sächsischen Landeskirche gilt, gelte für den ländlich geprägten Bereich zwischen Dahlener Heide und Striegistal besonders, sagte Konrad Petzold. Der Vorsitzende der Kirchenbezirkssynode ließ sich bei der Herbsttagung des Gremiums im November in Waldheim berichten, wie sich die 39 Gemeinden mit ihren etwa 23 100 Christen regional orientieren.
»Im Norden und in der Mitte gehen die Gemeinden schon aufeinander zu«, sagte der 58-Jährige dem Sonntag als Fazit aus den Berichten. Aus dem Süden dagegen konnte der Döbelner Pfarrer Stephan Siegmund den Synodalen nichts berichten. Andere Probleme wie Pfarrstellenwechsel und Vakanzen stünden derzeit im Vordergrund. »Die Personaldecke ist dünn und gewisse Angebote müssen gemeinsam organisiert werden«, appellierte Konrad Petzold. In diesem Zusammenhang seien neuerdings auch zwei Kantoren und zwei Gemeindepädagogen beim Kirchenbezirk angestellt. »Die übergemeindliche Arbeit nimmt zu und diese Form der Anstellung wird künftig häufiger werden«, meinte Petzold. Ein auf der Landessynode in Dresden verabschiedetes Gesetz zur Stärkung der Kirchenbezirke sehen Petzold und Superintendent Arnold Liebers positiv. Allerdings habe der Kirchenbezirk als mittlere Ebene wenig Spielraum, um Regionalisierungsvorschläge gegenüber den Gemeinden auch durchzusetzen. Die Souveränität der Gemeinden bleibe unangetastet, sagte Liebers. Im kommenden Jahr werde es absehbar keine Zusammenschlüsse von Gemeinden geben.

Die ab 2014 in Kraft tretende Strukturreform sei im Kirchenbezirk bereits umgesetzt. Die Regionalisierung ziele schon auf die nächste Reform im Jahr 2019. »Regionalisierung ist als nachbarschaftliches Miteinander zu verstehen«, sagte Liebers vor den knapp 50 anwesenden Synodalen in Waldheim. »Alle Gemeinden sollten selbst darüber nachdenken, sonst wird die Zusammenarbeit verordnet«, sagte der Superintendent mit Blick auf Vorschläge aus dem Landeskirchenamt.
Ein Sorgenkind im Kirchenbezirk stellte Uta Riese auf der Synode vor. Die Vorsitzende des Trägervereins der evangelischen Werkschule Naundorf sprach davon, dass nach dem Rückzug der Diakonie als Träger die Schulgemeinschaft zwar gestärkt aus der Krise hervorgegangen sei. Trotzdem gebe es finanziell noch große Lücken, denn am Schulgebäude seien Fluchttreppen, -fenster und -türen dringend nötig. Etwa 20 000 Euro allein an Materialkosten würden dafür gebraucht, sagte Riese. Andernfalls sei die Raumsituation für die jetzigen 49 Schüler nicht zu verbessern.
Die Kirchenbezirkssynode nahm sich der Sorgen des Vereins an, konnte aus rechtlichen Gründen aber keine Ephoralkollekte beschließen. Deshalb konnte sie den Gemeinden im Kirchenbezirk lediglich empfehlen, am dritten Adventssonntag die Kollekte für die Werkschule Naundorf zu sammeln.

Uwe Naumann

Redaktion DER SONNTAG –
Wochenzeitung für die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens

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