Uninspiriert oder heute schon geseufzt

 

Der Schriftsteller Wilhelm Genazino schildert in seinem Roman „Mittelmäßiges Heimweh“ das alltägliche Leben von Dieter Rotmund, einem Mann etwa Mitte vierzig, mit einer beinahe gescheiterten Ehe, aber nicht wenig Erfolg im Beruf.

Einige Zitate aus diesem Buch aus dem Munde von Dieter Rotmund:

„Das Schmerzliche ist, dass das Leben so sehr bekannt ist und deswegen so verschlissen erscheint“.

„Ich kann eigentlich nur noch arbeiten (lang arbeiten), fernsehen (kurz fernsehen), schlafen (mittellang und mittelgut) und trinken (bis jetzt: mäßig). Das Deprimierende ist, dass ich nicht angeben kann, was sich ändern müsste, damit ich mich wohl fühle; ich kann nur denken,

dass alles unzureichend ist und dass ich mich von allem, was es gibt, entfernen möchte, und zwar sofort und ohne Umkehr“

„Im Grunde erwarte ich immer noch, dass sich mein Dasein innerhalb der Lebensspanne eines Menschen zu einem Sinn hin entwickelt. (Aber) meine Melancholie über den fehlenden Sinn ist mir vertrauter als das sinnlose Warten auf Verbesserung von…ach, ich habe keine Lust über diese törichten Dinge weiter nachzudenken“.

 

Wirkt es nun ehrlich oder deprimierend oder ist es beides zugleich?

Auf alle Fälle uninspiriert, ohne Esprit und Lebensfreude.

Man kann es als Lebens- und Sinnkrise bezeichnen.

 

Ortswechsel:

Für die Jünger Jesu endete mit Christi Himmelfahrt eine 40tägige Nachspielzeit nach seiner Auferweckung. Nun ist Jesus endgültig nicht mehr auf der Erde und den Jüngern nahe.

Der Heilige Geist kommt erst zu Pfingsten. Es entsteht eine Leerstelle von 10 Tagen, die verunsichert.

Paulus empfiehlt als Therapie im Römerbrief gegen diese Melancholie der Leere, in dieser Krise, dass bewusste Ausatmen: Das Seufzen:

„Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, sondern der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen.“ (Römer 8, 26).

Der Geist hilft. Gottes Geist hilft uns in unserem Schwachsein.

Der Heilige Geist schenkt uns Geistesgegenwart und Inspiration

in unserem alltäglichen Leben.

 

Christof Jochem, evang. Pfarrer in Oschatz, Kirchgemeinde Oschatzer Land