Geistliches


“Ich bin so frei”

Wenn Sie jetzt spontan und ohne Worte jemandem zeigen wollten, was Freiheit sei. Wie würden Sie das tun? -

Unwillkürlich würde ich meine Hände ausbreiten, weit und raumgreifend, so als könnte ich fliegen, getragen von Luft und Bewegung und hätte Kontakt zum Himmel.

Er sei der “erste Freigelassene der neuen Schöpfung“, so sagt man bisweilen von Jesus. Tatsächlich hätte er so ziemlich alles, was er getan hat, mit diesen Worten kommentieren können: “Ich bin so frei” - Es war so unerwartet, so anders, so unabhängig aber doch so zugewandt.

Und Letzteres ist es wohl, das wir in unserem Verständnis von Freiheit weithin vergessen haben. Freiheit ist nämlich nicht nur Freiheit von, sondern auch Freiheit zu. Der Lufthauch der Freiheit auf dem Rücken eines Pferdes oder auf dem Motorradsattel, bedeutet unterwegs zu sein - wohin? Vielleicht auf ein Stück Himmel zu, ein gutes, lebendiges, weites Ziel in veränderten menschlichen Verhältnissen und Beziehungen - Zu-Wendung. Und lebendig oder einfach faszinierend ist auch die Kraft - die mich dorthin bewegt.

Spricht man von Jesus als der zweiten Person Gottes, so ist die dritte Person der “Lufthauch” und die “Kraft Gottes”, die “Ruach” oder der “Heilige Geist”: “Der Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.” (2. Korintherbrief 3,17)

Bin ich so frei, dass ich nicht nur unabhängig sein will, sondern mich dann auch zuwenden, Verantwortung übernehmen, mich aus freien Stücken binden und eben den nächsten Menschen lieben kann?

Und da merke ich, die offenen und weit ausgebreiteten Arme und Hände zeigen mir nicht nur, was Freiheit sein kann - sondern zeigen ebenso stark, was Freiheit jedenfalls auch ist: Zuwendung.

Reinald Richber,
Pfarrer