Geistliches


Vom Karfreitag zum Ostersonntag

Zum Gedenken an Jesu Sterben am Kreuz wurde am Freitag 15 Uhr geläutet.

Seitdem schweigen Glocken und Orgel.

Der heutige Sonnabend wird im Kirchenkalender der „Stille Samstag“ genannt.

Für mich verbindet sich diese kirchlich empfohlene stille Zeit mit der Karsamstags-Osternachts-Wanderung, an der ich als Jugendliche Jahr für Jahr teilnahm. Karsamstagabend trafen wir uns in einer der Dorfkirchen. Wir hörten Bibeltexte von Jesu Leiden und Sterben. Im Anschluss sollten wir – ohne zu reden – zur nächsten Kirche wandern und dabei die Bibelworte auf uns wirken lassen. Was für eine Herausforderung. Wo ich doch so gern rede und mich auf die anderen Jugendlichen gefreut hatte.

Was für ein Geschenk jedoch die Stille am Karfreitag und Karsamstag bedeutet, ahnte ich nicht im Geringsten.

Wie viel ist seither geschehen. Ich musste in den vergangenen Jahren von lieben, mir nahestehenden Menschen Abschied nehmen. Besonders intensiv erlebte ich die Karwoche 2018, in der meine 63jährige Tante nach schwerer Krankheit verstarb. Wie gut tat mir in dieser Woche die Stille, um der Trauer nachgehen zu können und dabei bewusst wahrzunehmen, wie Tod und Leben zusammengehören.

Außerdem darf sich seit Jahren in meiner Arbeit als Seelsorgerin entdecken, worin die Chancen der bewusst erlebten Passionszeit liegen.

Sie bietet Raum zur Trauer über Verstorbene und Raum für die Trauer über zerbrochene Beziehungen, über eigenes Versagen und verloren gegangenen Glauben. Wie viele Parallelen zeigen sich dabei zum Leidensweg von Jesus.

Der Zeit der Stille wird mit vollem Geläut am Ostermorgen ein weithin laut vernehmlicher Schluss gesetzt. Alle sollen es hören: Trauer und Tod haben nicht das letzte Wort, weil Jesus auferstanden ist. Die Frauen, die Ostersonntagfrüh zum Grab gegangen waren, hatten dies als erste erfahren.

Dank Ostern gibt es neues Leben: ewiges Leben sowie verwandeltes Leben im Hier und Jetzt.

Die Freude darüber schafft sich Raum, selbst auf den Friedhöfen, auf denen am Ostersonntagmorgen fröhlich gesungen wird, Posaunenchöre spielen und Kinder zwischen den Gräbern lachend Ostereier finden.

Diese und viele andere Traditionen laden dazu ein, mit allen Sinnen zu erleben, wie die Passion als auch die Auferstehung von Jesus unser eigenes Leben berühren und verändern können.

In dieser Weise wünsche ich Ihnen eine gesegnete Osterzeit.

Ihre Katja Schulze,
Pfarrerin von Leisnig-Tragnitz und Altenhof